Sonntag, 18. Februar 2018

Mal wieder: Was bisher geschah...

Leute, ich lebe (mal wieder) noch! Aus Lustlosigkeit (na gut: und Scham) habe ich lange nichts von mir hören lassen. Zur Auffrischung - Folgendes ist bisher geschehen:

2010: Hermannsweg probiert. Wegen Anfängerunwissenheit abgebrochen.
2014: Nochmals Hermannsweg. Durchmarsch.
2015: E1 geplant. Nicht angetreten weil Arbeit.
2016: Jakobsweg (Camino Frances). Easy!
2017: Nochmals E1. Angetreten & abgebrochen... aus Gründen.
2019: Könnte das Ultimative gehen ("gehen" - versteht ihr ;-). Aber bisher nur vielleicht, darum halt ich vorerst den Mund.

Zurück zu 2017 -  E1 Versuch. Da bin ich euch die Gründe für´s Abbrechen ja noch schuldig. Kurz und knapp: Schmerzen und Einsamkeit. Ich habe gemerkt, dass ich nicht für´s allein Wandern gemacht bin. Es macht einfach keinen Spaß wenn man sich mit niemanden über die schönen Dinge die man sieht und erlebt austauschen kann. Irgendwie verpuffen die Momente dann und sind weniger wert. Klar ist es toll und so, aber wenn man es teilen kann gleich umso mehr! Zudem kann man über Dinge die nicht so gut laufen (24 Std. Dauerregen anybody?!) viel eher lachen und sich gegenseitig motivieren. Alleine frustriert das irgendwann nur. Man muss ja nicht den ganzen Tag zusammen gehen, aber zumindest morgens und Abends am Zelt, vielleicht hier und da ein Stück, ne Mittagspause...das macht schon viel aus. Vielleicht bin ich da auch durch den Jakobsweg verwöhnt (bzw. verkorkst) - aber so ist es eben. Dazu kamen dann noch Schmerzen in meiner Hüfte, bzw. dort wo Oberschenkel und Hüfte sich treffen. Mittlerweile weiß ich, dass es an den Schuhen lag - also nichts ernstes. Auf dem Weg tat es aber bei jedem Schritt weh. Nun ja, ich hätte durchziehen können - kämpfen bla bla, aber ich wollte mir den E1 nicht vermiesen und hoffe ihn dann irgendwann mit jemanden zusammen gehen zu können. Mal schauen, Bewerbungen werden ab sofort entgegen genommen ;-)

OK, was steht als nächstes an? Dieses Jahr wohl eher weniger. Zwar stand zunächst ein weiterer Jakobsweg (Portugiesischer oder Küstenweg) mit meinem Vater und (diesmal) Bruder zur Debatte, aber das wird wohl nichts. Wenn ich es schaffe aber ggf. 1-2 deutsche Wege so je um die 150-200 km. Vielleicht auch der E5 über die Alpen?! Mal sehen, das lasse ich auf mich zukommen. Alles kann, nichts muss.

Und dann 2019! Ich sage noch nichts, sonst heißt es wieder "Großmaul" wenn es nicht klappt. Aber wenn es klappt... Männer, haltet eure Frauen fest 😅

Soweit von meiner Seite. Was treibt ihr so?

Mittwoch, 5. Juli 2017

I am SOBO...

... SOBO: US hiker-slang für "SOuth BOund", frei übersetzt etwa "südwärts", also Richtung Süden unterwegs. Und das bin ich ab Montag! Nachdem es 2015 aus beruflichen Gründen nicht geklappt hat, und ich 2016 auf dem Jakobsweg war, geht es für mich nun endlich auf den E1. Auf 1900 km durch Deutschland von Flensburg nach Konstanz. Und diesmal wirklich! Nichts kann mich stoppen: Jobangebote wurden bereits abgesagt und das Ticket zum Startpunkt nach Flensburg gekauft. Infos zum Weg etc. könnt ihr unter den Label "fast E1" (guckst du rechts) oder direkt hier  -> klick finden. Ich bin zurzeit noch mit Schwester und Mutter im "Trainingslager" am Wolfgangsee. Am Freitag geht´s nach Hause und am Montag dann los. Ich plane das ganze in 5 Wochen zu schaffen. Wird hart, aber ist machbar. Grob geht es ab Flensburg über Kiel, Hamburg, die Lüneburger Heide bis Celle, Detmold, Siegen, Frankfurt, Pforzheim bis nach Konstanz. Wer unterwegs wohnt, und mich für eine Nacht beherbergen will (in Kiel & HH schon versorgt), melden! Ansonsten verbringe ich die Nächte im Gebüsch... im Zelt natürlich. Ich werde (wieder) versuchen hier über mein Vorankommen zu berichten. Da das aber auf dem Jakobsweg nicht ganz so gut geklappt hat, werde ich regelmäßig auf Instagram nette Fotos posten. Zu finden bin ich da unter "ulkeater" (wer errät wofür das steht bekommt ne Postkarte vom Weg). OK, nun wisst ihr bescheid. Ich werde die Tage noch einen Post über meine Ausrüstung schreiben. Vorab könnt ihr euch aber oben schon über mein etwa 3,7 kg leichtes Geraffel informieren.
Also, happy Trails!

Freitag, 17. Februar 2017

Ausrüstungs review

Soderle, hier wie versprochen und gewünscht mal eine kurze Nachbesprechung meiner Ausrüstung vom Jakobsweg. Insgesamt wog alles zusammen knapp 4,5 kg - 3 davon waren i.d.R. auf dem Rücken. Da konnte ich ohne Probleme auch mal eine Weinflasche oder ein Glas Gurken (fragt nicht ;-) "mitschleppen".

Wanderstöcke - Alpkit CarbonLite Ultra Twins - 261g (Paar) 
Ich gehe sehr gerne mit Wandertöcken. Diese von Alpkit hatten sich z.B. auch auf meinen Trainingswanderungen bewährt: Super leicht und liegen gut in der Hand. ABER: Als ich sie direkt am ersten Tag nach ca. 500m aufziehen wollte, hat einer gestreikt. Irgendwie konnte man das letzte Segment nicht mehr fest drehen was hieß, daß ich 130,5g als totes Gewicht 800 km spazieren getragen habe. Hat mich Anfangs super geärgert! Aber es ging auch mit einem Stock. Das defekte Segment habe ich mittlerweile von Alpkit ersetzt bekommen und werde die Dinger bei meinem nächsten Projekt wahrscheinlich wieder mitnehmen.
Fazit also: Wenn heile, super Teile!

Gamaschen - Dirty Girl Gaiters - 32g
Diese kleinen, leichten Gamaschen sollten verhindern, daß Dreck in die Schuhe kommt. Dreck kann Blasen verursachen und dafür sorgen, daß die Socken schneller Löcher bekommen. Die Teile haben ihre Aufgabe bestens erfüllt! Zu bestellen gibt es sie in den USA. Unter AT/PCT/CDT Hikern sind sie ein Klassiker. Sie halten nicht ewig, aber wenn man nicht durch Gestrüpp läuft sind sie ihre 17 Dollar mehr as Wert!
Fazit: Pflicht für alle die nicht mit hohen (schweren, luftundurchlässigen) Stiefeln gehen!

Socken - x-socks trekking expedition - 60g
Erstmal top! Leider mit ca. 20 EUR etwas teuer. Die 3 EUR Lidl Socken haben es genauso gut gemacht... und die trocknen, weil ohne Merinowolleanteil, auch schneller. Ich habe sie für 50% des Weges getragen. Zum Ende haben sie an der Seite Löcher bekommen. In Zukunft werde ich erstmal nur mit Lidl Socken los. Habe mir schon 5 Paar als Vorrat gekauft.
Fazit: Kann man machen, muß aber nicht.

Hose 1 - Nike shorts - 144g
Luftig, relativ leicht, trocknet schnell und war dank Gutschein umsonst. Alles bestens - geht aber leichter.

Unterhose - Nike Pro Combat compression short - 75g
Siehe oben. Ich neige zum "Wolf-laufen", darum brauche ich so was.

T-shirt 1 - Quecha Tech Fresh 50 (2014) - 134g
Super günstig, 5 EUR oder so bei Decathlon. Bequem und trocknet schnell. Einziger Nachteil: Die grauen Einsätze unter den Armen sehen aus wie Schweißflecke - aber who cares.

Hut - Jack Wolfskin - 67g
Super! Eines meiner liebsten Teile. Leichter, luftiger Schutz vor Sonne. Will nie mehr ohne los!

Schuhe - Brooks Cascadia 9 - 792g 
Generell super Schuhe. Sind auch Klassiker bei den ultraleicht Wanderern. Wie alles bei mir: Luftig, leicht, trocknen schnell. In Verbindung mit den Socken und Gamaschen hatte ich KEINE einzige Blase. In Zukunft werde ich jedoch mit anderen Schuhen los (minimalere, ohne Sprengung), was aber andere Gründe hat (dazu später mal mehr).
Fazit: Wer von klobigen Stiefel weg will sollte diese Dinger unbedingt in Betracht ziehen. Sie werden jedoch jedes Jahr ein wenig geändert, daher kann es sein, daß sie in Zukunft schlechter werden... oder besser! Zudem finde ich Stiefel absolut überflüssig! Wer nicht gerade alpin Unterwegs ist, braucht die nicht! Auch Gore Tex ist übrigens eigentlich meist "ungut"!

fleece Pulli - Jack Wolfskin - 223g
Leichter Fleecepulli den ich für 23 EUR im Ausverkauft geschossen habe. Warm genug für Frühjahr bis Herbst, bei Bedarf kommt die Windjacke drüber. Ich habe den Pulli eigentlich immer getragen: zum Wandern wenn es frisch war, Abends beim Bierchen und in kühlen Nächten zum schlafen.
Fazit: Voll zufrieden. Hätte gerne was noch leichteres, aber da geht glaube ich nicht mehr viel für die selbe Wärmeleistung.
 
Hose 2 - Nike shorts - 166g
Meine zweite shorts für nach dem Wandern. Die Hauptwanderkleidung wurde Abends (fast) immer per Hand gewaschen, dann wurde diese Hose angezogen. Sie hat einen Liner, also ein eingenähter Slip, wodurch nur die eine Unterhose gereicht hat.

Socken - Lidl Trekking Socken - 50g
Steht ja schon bei den anderen Socken was zu. Super Preis-Leistungsverhältnis! Hatten nach ca. 400 km dann aber auch Löcher bekommen - was für den Preis aber vollkommen OK ist.

T-shirt 2 - Quecha Tech Fresh 50 (2016) - 129g
Wie bei der Hose ein zweites shirt während das andere gewaschen wurde. No complains! War auch mein Ersatzshirt zum wandern (aber nie dafür gebraucht).

Badelatschen - 123g (Paar) 
In den Herberge darf man mit Wanderschuhe nicht rein, darum warendiese Dinger nötig. Auch zum duschen gut - wegen Fußpilz und so. Zudem ist es auch ganz schön die Füße dann nah dem Laufe auslüften zulassen! Das Gewicht ist auch top. Habe die Teile aus einem 1€-Laden - besser & leichter zu dem Preis geht nicht.

Regenjacke - DriDucks - 164g
Wollte ja ursprünglich keine Regenjacke mitnehmen. War dann aber froh es doch getan zu haben. Zwar auch, aber nicht so sehr, wegen dem Regen - hatten nur 3-4 Regentage - sondern eher wegen dem zusätzlichen Kälteschutz, insbesondere in Galizien. Beim Auf- und Abstieg zum/vom Cruz de Ferro war es z.B. nämlich super kalt, windig und feucht. Da habe ich alles angezogen was ich hatte: Unten die Shorts mit Windhose drüber. T-shirt, Fleece-Pulli, Windjacke und Regenjacke obenrum. Die Kapputze dann über dem Hut. Das zweite Paar Socken als Handschuhe über die Hände. So ging´s dann. Also alles bestens: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Die DriDucks selber, sind super leichte Regenjacken. Dazu noch relativ atmungsaktiv und mit etwa 30 EUR inkl. Regenhose (!) super günstig. Gibt´s in den USA oder in der eBucht. Durch Büsche sollte man damit aber nicht - sie sind nicht gerade widerstandsfähig. Aber wenn man für den Preis 2 Jahre rausbekommt um Meilen besser als die teuren Markenteile!

Windjacke - Reed Windcheater - 75g & Windhose - As Tucas Millaris - 61g 
Geile Teile! Halten auch leichten Regen ab. Zudem relativ atmungsaktiv. Wird´s kühl und/oder windig einfach fix überziehen. Die Hose habe ich zudem auch in kalten Nächten zum schlafen angehabt. Never ever without!

Handtuch 50x67cm - Microfaser - 68g  & Handtuch klein - Microfaser - 16g 
Reicht vollkommen. Eines für den Körper, eines für´s Gesicht. Trocknen schnell. Alles bestens!

Zahnbürste - 6g
Eine normale Dr. Best Zahnbürste um die Hälfte gekürzt. Passt.

Zeckenzangen (2 Größen) in kl. Tüte - 2g 
Eines der wenigen Teile die ich nie auspacken musste. Aber gut, sie dabei zu haben!

kleiner Kamm - 2g 
What can I say? Ein Kamm.

Ibuprofen/ Grippostad/ Ceterizin/sterile Nadeln (Blasen aufstechen)/ Tape
Ibuprofen und Grippostad habe ich tatsächlich gebraucht. Das Citerizin nicht. Die Nadeln und das Tape hat mein Vater für seine Blasen gebrauchen können... ich nicht - hatte ja keine ;-)

Der Rest auf der Liste war ja nur Kleinkram. Nicht gebraucht habe ich den Doesenöffner (wiegt aber auch nur 9g) und die Ohrstöpsel. Tatsächlich stört es mich nicht im geringsten, wenn 97 Leute (im ernst!) im Raum schnarchen und/oder im Schlaf sprechen/weinen/husten etc. Aber die Anne hat sich sehr darüber gefreut.
Ausrüstungstechnisch habe ich für mich also alles richtig gemacht. D.h. nicht, das es für jeden so sein muß. Der eine braucht mehr, der andere weniger. Was ich aber jedem empfehlen würde, ist es sich bei JEDEM Teil zu fragen: Brauche ich das wirklich? Wenn ja, wie oft könnte ich das gebrauchen und was würde passieren, wenn ich es nicht habe? Die meisten Leute packen nämlich ihre Ängste mit ein: Was passiert wenn dieses oder jenes passiert und ich das Teil dann nicht habe? Wenn man ehrlich ist, ist die Antwort meist: nicht viel. Und wenn doch, schaut, ob es das Ding auch leichter gibt. Pack less!

Samstag, 7. Januar 2017

Done

Alles hat ein Ende! Daher muß das jetzt auch hier beenden: Wir sind durch! Natürlich schon lange wie die meisten von euch wissen. Ich konnte (oder wollte) das aber hier noch nicht beenden. Resümee: Es war super! Es vergeht immer noch kein Tag an dem ich nicht an die Zeit zurück denke. Am liebsten würde ich direkt wieder los. Ich bin glücklich und dankbar, daß ich diesen Weg zusammen mit meinem Vater gehen durfte! Ihm geht es nicht anders, auch für ihn war es eine unvergessliche Zeit. Wandern ist so simpel und doch so erfüllend. Man erreicht jeden Tag ein Ziel, alles was man an dem Tag tut hat den Sinn, dieses Ziel zu erreichen. Jeder Schritt bringt einen näher. Man macht nichts unnützes und hat jeden Abend im Bett das gute Gefühl sein Tagesziel erreicht zu haben. Und jedes Tagesziel bringt einen näher an das große Finalziel. Und zwischendrin erlebt man noch wahnsinnig viele Dinge, sieht die schönsten Orte und lernt super viele coole Leute kennen. Probleme werden gelöst, alles wird immer gut, "the trail provides" sagt man in den USA. Ich kenne keinen der das nicht so sieht. Ich habe in letzter Zeit mehrere ehemalige Pilger getroffen und alle sehen das genauso. Jeder würde sofort wieder los wenn sich die Möglichkeit ergibt.
Nun bin ich schon seit der Rückkehr durchgängig am arbeiten. Es ging quasi einen Tag nach meiner Heimreise wieder los. Als nächstes folgt dieses Jahr erst ein "normaler" Urlaub - auch mal schön. Und dann? Mal schauen! Der E1 steht zurzeit ja noch ganz oben auf meiner Liste. Mal sehen was da geht - ein neuer (noch leichtere) Rucksack und neue Short (auch leichter... und kürzer) sind auch schon aus den USA angekommen (danke Timy!). Ich halte euch auf den Laufenden - oder schreibe wenn ich durch bin - ihr kennt das ja ;-)
Was gibt es noch zu sagen? Wenn ich die Zeit finde werde ich demnächst mal ein Review meiner Ausrüstung schreiben. Aber um es kurz zu sagen: Alles top! Hat sich fast alles bewährt.

Also denn, lieber Camino: DANKE für die geilste Zeit! Wir sehen uns wieder!













Mittwoch, 22. Juni 2016

Was bisher geschah

Folgendes: Wir sind 65 km vor dem Ziel. Warum so plötzlich? Na ja, ich bin ein schlechter Blogger, darum. Was ist also während der letzten 400 irgendwas Kilometer passiert?
Wir haben die endlos scheinende Meseta durchquert. Elendlange Wege neben Straßen, Feldwege bis zum Horizont, immer hoffend, dass hinter dem nächsten Hügel das nächste Dorf erscheint. Hitze! Sonne! Staub! No funny!
Aber irgendwann waren wir da durch.
Dann kam der Aufstieg zum höchsten Punkt des Jakobsweges, dem Cruz de Ferro. Damit kamen die Kälte und der Regen. Klatschnass bis auf die Knochen, und das über mehrere Tage. Matsch! Nebel! Steiniges bergauf und ab. Auch no funny! Dazu habe ich mir noch an einem der letzten Meseta Tage irgendwas im Schienbein gezerrt oder gerissen. Seitdem ist der Knöchel geschwollen und ich bin auf einer Diclofernac-Kur. Aber muss ja humpelnd weiter gehen!
Dann haben mein Vater und ich uns einer ♡♡ Gruppe ♡♡ angeschlossen. Wir sind nun 7 Deutsche, ein Italiener und eine Schweizerin, die zusammen unterwegs sind. Das heißt nicht, dass wir in einer riesigen Gruppe alle zusammen am Tag laufen. Jeder läuft sein Tempo, zeitweise auch mal mit anderen zusammen und zwischendurch trifft man sich zum Kaffee und zur weiteren Planung in einer Bar (Bars sind hier Café, Kneipe und Restaurant in einem). Am Zielort kehrt man dann in die selbe Herberge ein und verbringt den Abend zusammen während mein Vater für uns kocht. Und zwar vom feinsten! Wir haben quasi unseren eigenen Koch dabei - wie dekadent... aber lässig!
Die Gruppe! Beste!
Maestro (r) und Sous-chef (l)
Cruz de Ferro
Regen und ...
... Nebel

Montag, 20. Juni 2016

The walking dead

OMG! Echt jetzt, OMG! Die Spaziergänger sind los. Aber mal von vorne:
Wir sind heute morgen bei 114 km Restweg losgegangen. Um die Compostella, die Urkunde, dass man den Jakobsweg gegangen ist, zu bekommen, muss man lediglich die letzten 100 km schaffen. Und das nutzen viele Leute aus. Nun sind überall - diese Freizeitpilger. Zu Hunderten wurden sie in Bussen rangekarrt, blockieren mit minimalem oder überhaupt keinen Rucksäcken ständig den Weg. Fangen nach 3 km schon an zu humpeln, machen alle 200 m ein Foto und glauben, sie wären die übelsten Pilger-Rocker.
Zu erkennen sind sie leicht:
- keine bis super kleine Rucksäcke
- neu gekaufte, saubere Kleidung
- keinen Sonnenbrand und keinerlei Bräune
- lachende, fröhliche Gesichter während die "Weitpilger" aufgrund der Anwesenheit der "Anderen" stets mies drauf sind
- nie weit vom Begleitfahrzeug entfernt
- Mallorca-Strohhüte
- Make-up und Schmuck
- immer in Gruppen unterwegs
Versteht mich nicht falsch: ist man 98 und/oder nicht mehr so gut zu Fuß, oder hat man irgendwelche Gebrechen, die einem am viel laufen hindern, soll man das gerne so machen. Aber dem ist nicht so. 99 Prozent sind junge, fitte Leute im eigentlich besten Alter. Und diese Faulenzer tragen noch nicht einmal ihren Kram mit sich. Der eine oder andere hat vielleicht einen winzigen Rucksack oder 'nen Jutebeutel mit 'nem Apfel oder was dabei, aber viele noch nicht einmal das. Ist das krass, oder was? Morgens sieht man sie noch Aufwärmübungen in kleinen Grüppchen machen. Ihre Koffer (KOFFER!) werden Ihnen dann hinterher gefahren.
Und wir? Wir stampfen durch den Matsch, den sie penibel genau versuchen zu umgehen. Die rosa Schühchen sind ja neu. Ein Schelm wer denkt, dass wir dabei extra versuchen sie mit dem spritzendem Schlamm zu treffen. Passiert halt trotzdem. Sorry and buon Camino! Wir sind Hunde, ich weiß.
Nichts dabei!
Gepäcktransport
noch weniger dabei
Nichts getan aber Toiletten belegen - tz!
Und das Gepäck erwartet die Luschen in der Herberge

Donnerstag, 9. Juni 2016

Die Leute

Die Leute hier. Jeder hat seinen eigenen Grund auf dem Weg zu sein.
Da ist z.B. der Roman. Survival-Trainer und ex-Baumpfleger. Ist seit April ab Le Puy in Frankreich unterwegs. Läuft mit einem 24 kg Rucksack in dem sich alles befindet was er zum Überleben braucht. Mit dem Gewicht des Rucksacks hat der 1.95m Mann keine Probleme. Er schläft immer im Zelt. Hat 10 Jahre auf den passenden Zeitpunkt für diese Reise gewartet. Hat Zeit ohne Ende, wo es ihm gefällt macht er halt, egal wie viele km er erst gegangen ist und wenn's ihm gefällt, bleibt er einfach noch eine Nacht.
Dann der Eric aus Wien. Seine Eltern sind Chinesen aus Indien. Er ist in Österreich geboren, lebte aber vom 13. bis 17. Lebensjahr in Indien. Zuletzt war er in Wien stellvertretender Restaurantführer. Eines Tages hatte er keine Lust mehr, hat gekündigt, den Rucksack gepackt und ist in den nächsten Flieger Richtung Spanien gestiegen. Er hat die Zeit seines Lebens.
Oder Jeff aus North Carolina in den USA. Geschichtsprofessor an einer Uni. Ein Freund ist vor zwei Jahren den Weg gegangen und hat ihn quasi genötigt es auch zu tun. Als er überraschend Zeit zum forschen bekommen hat wurde kurzerhand innerhalb von zwei Wochen der Trip gebucht.
Und der Daniele. Ein junger Ingenieur aus Bergano in Italien. Er liebt Motorräder. Beim Vorstellungsgespräch war ihm der Personalchef zu arrogant, er ist aufgestanden und gegangen. Entschied sich erstmal auf den Weg zu gehen. Am Flughafen rief dann seine Wunschfirma an. Er hatte sich dort nicht beworben weil er dachte die suchen nicht. Über Umwege ist seine Bewerbung dort gelandet. Sie haben einen Job für ihn. Die Firma baut Motorräder.
Dann ist da noch Stephanie, 22 Jahre, aus den USA.
Sie hatte Leberkrebs. Die Ärzte haben ihr eine neue Leber implantiert. Dem Krebs hat sie vorerst besiegt aber die neue Leber verursacht Probleme bei den anderen Organen. Im Moment geht es wohl. Der tägliche Pillencocktail muß aber sein. Wie lange es funktioniert weiß keiner. Also nutzt sie ihre Zeit so gut es geht.
Ebenfalls aus den USA ist auch Dave. Dave hat vor kurzem die Uni abgeschlossen und fängt bald als Account Manager bei Nestlé in Chicago an. Ab dann wird er nie wieder richtig Zeit haben sagt er. Also die, die er noch "frei" ist, nutzen.
Und da bin ich. Warum ich das genau mache muß ich wohl noch rausfinden. Etwas Zeit dafür habe ich ja noch. Und wenn ich es bis zum Ende nicht weiß, geh ich einfach noch mal. Will wer mit?

Dienstag, 7. Juni 2016

Pilgeralltag

Ach Leute,
während des Laufens am Tag fällt mir immer so viel ein was ich schreiben will. Ganze Einträge habe ich unterwegs im Kopf schon geschrieben. Leider entfällt mir alles dann wieder bis zum Abend. Wie damals in der Schule nach einer Klassenarbeit: Arbeit geschrieben, alles vergessen. Ich sollte es mir in Zukunft dem Handy aufnehmen!
Aber zum Thema: Wie sieht so ein Pilgertag eigentlich aus? Nun, folgendermaßen:
- Aufstehen meist so gegen 6 Uhr. Da werden fast alle wach, darum braucht man sich auch Wecker stellen. Das aufwecken erledigen die Plastiktüten der Leute.
- Leise die Sachen packen, anziehen, Zähne putzen.
- Wenn es in der Herberge einen Wasserkocher oder eine Mikrowelle gibt noch einen Instantkaffee und wenn vorhanden ein paar Kekse oder so.
- Gegen 7 Uhr Sprung auf, Marsch Marsch.
- Im ersten Ort bzw. der nächsten Bar einen Café con Leche und ggf. ein Croissant.
- Weiter gehen.
- ca. alle 5-8 km eine Pause. Oft in einer Bar für Café. Ein richtiges Mittagessen lassen wir eigentlich immer aus. Hunger hat man während des Laufens kaum. Sonst ne Kleinigkeit, Banane oder Apfel.
- Nach 25-28 km sollten wir unser jeweiliges Tagesziel erreicht haben. Dann noch die/eine Herberge suchen und einchecken.
- Duschen und Klotten waschen.
- Nickerchen.
- Wenn die Herberge eine Küche hat die man benutzen kann, und der Ort einen Laden, kochen wir selbst. Keine Küche aber Laden heißt dann kaltes Essen mit Baguette, Käse, Thunfisch, Tomaten etc.
Ansonsten in der Herberge oder einen Lokal ein Pilgermenü für 10-12 Euro. Die bestehen aus Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise. Dazu eine Flasche Wein und Brot.
- Gegen 22 Uhr ist dann meist angeordnete Pilgerbettzeit. Da hat dann aber auch nie jemand was gegen weil alle platt sind. Bis dahin wird mit anderen Pilgern gequatscht, der Ort besichtigt, Blog geschrieben, mit der Heimat telefoniert oder im Internet gesurft.
Am nächsten Tag das ganze dann von vorn.
Ultreia!

Wahrscheinlichkeitsrechnung

Wer von euch ist gut in Wahrscheinlichkeitsrechnung? Ich hab da nämlich mal eine Frage:
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand zwei mal im Leben von einem Vogel - nennen wir es beim Namen - angekackt wird? Recht hoch würde ich Matheniete sagen.
Aber:
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand innerhalb von zwei Tagen, zwei mal von einem Vogel angekackt wird? Geringer, aber möglich denke ich.
Aber:
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, daß jemand innerhalb von zwei Tagen, an exakt der selben Stelle, zwei mal von einem Vogel angekackt wird? Ohne irgendwelche wissenschaftliche Beweise dafür zu haben, würde ich sagen, überaus gering.
Deshalb fühle ich mich auch so geehrt, daß es mir widerfahren ist. Ich bin sehr glücklich. Wenn mir das ein drittes Mal passiert will ich ins Guinness Buch der Rekorde!
PS: Ich glaube übrigens nicht, dass es der selbe Vogel war. Es sei denn er hat seine Ernährung umgestellt.

Montag, 6. Juni 2016

Soll ja Glück bringen

Seht selbst. Gibt's doch nich!

Im Paradies

Leute, ich bin im Paradies! Liege im Garten eines alten Klosters welches zu einem richtig nettem Hotel mit angeschlossener Pilgerherberge umgebaut wurde. Man hört nichts außer ein paar Grillen, das zwitschern der Vögel und hin und wieder das Summen einer Hummel.
Das ist aber auch das einzige paradiesische der letzten zwei Tage. Die Landschaft hat sich geändert. Leider nicht zum besseren. Wo sich vor einigen Tagen noch die norddeutsche Heide mit Mittelerde, dem Teuto, dem Grand Canyon und etwas Thailand abgewechselt hat, ging es nun über endlos scheinende Schotterwege, teils direkt neben der Autobahn, vorbei an Weinplantagen. Ohne jegliche Abwechslung. Na ja, aus dem Wein wurde Weizen, das ist aber auch alles. Dann kommt noch die unerbittliche Sonne dazu.
Da ist diese Oase genau was wir heute brauchen um Energie zu tanken. Bisher ist dies das beste was uns Herbergentechnisch unter gekommen ist.
Aber: morgen geht's ja weiter. Also fix in die Koje. Unten noch Fotos vom Dorf aus dem Fenster der Herberge.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Atemberaubend!

Hola amigos,
zunächst: ja ich weiß, ich bin ein schlechter Blogger. Aber auf dem Handy, mit zu wenig Zeit, is doof. Ich versuch mich zu bessern!
Zurück zum Titel: Atemberaubend! Dieses Wort nutze ich nicht oft aber das ist alles was mir zur bisherigen Landschaft einfällt. Es ist bisher einfach unglaublich schön hier. Die Pyrenäen sind der Hammer und was danach kommt brauch sich auch vor keiner Landschaft der Welt verstecken.
Die Fotos unten können das gar nicht so wiedergeben. Muss man erlebt haben!
Wir sind jetzt seit 7 Tagen am gehen. Im Schnitt schaffen wir so etwa 20-22 km am Tag. Das ist viel weniger als geplant aber mein Vater hat es mit dem Knie und dem Fuß. Gestern sind wir 27 gegangen. Das war schon hart an der Grenze. Morgen müssen wir auch noch mal etwa 28.
Atemberaubend sind auch die Orte durch die man kommt. Wunderschöne Dörfer und Städte. In jedem würde man am liebsten direkt bleiben. Jedes noch so kleines Dorf hat mindestens eine extrem alte Kirche und die Architektur der Häuser ist umwerfend (noch so ein Wort).
Kaffee! Kaffee machen haben die hier auch drauf. Selten so guten getrunken.
Mitpilger gibt es natürlich auch. Man ist wie ein kleines Rudel. Immer die selben Leute die mit einem zusammen laufen. Man geht morgens zur etwa gleichen Zeit los, läuft sich am Tag des öfteren über den Weg, läuft auch mal ein Stück zusammen und übernachtet dann am Ende des Tages wieder in der selben Herberge. Klar, mal geht der eine oder andere noch etwas weiter, oder geht in eine andere Herberge, aber dann sieht man sich am nächsten Tag wieder.
Soweit erstmal. Ich muß ins Bett. Um 22 Uhr ist Zapfenstreich. Weitere Details folgen.